Feierliche Vereinnahmung des Silcher-Denkmals in Tübingen

Am 5. Januar 2020 um 16:00 Uhr wird das Silcher-Denkmal auf der Tübinger Platanenallee feierlich vereinnahmt.

Bei einem Spaziergang auf der Platanenallee auf der Tübinger Neckarinsel findet man sich in einem Steinkreis, vor einem wuchtigen Denkmal wieder. Von vorne betrachtet sitzt dort ein nachdenklicher Komponist über eine Partitur gebeugt. Der hier geehrte Friedrich Silcher erinnert an Tübingens Liedtradition. Bei näherer Betrachtung der Skulptur entdeckt man weitere Figuren, die aus dem Körper Silchers herauswachsen: Soldaten mit Stahlhelm, ein kleiner Junge mit einem Gewehr, ein Abschied nehmendes Paar.

Die Skulptur wurde von der NS-Diktatur 1941 erbaut, um den Komponisten zum Vordenker einer völkischen und soldatischen Gesinnung zu stilisieren und die Sangesbewegung für den Faschismus zu vereinnahmen.

Die Grundsteinlegung des Silcher-Denkmals wurde zwar gefeiert, eine Einweihung blieb jedoch aus. Heute, da die Kunstfreiheit wieder von rechts in Frage gestellt und bedroht wird, holen wir diesen Akt nach und vereinnahmen die Skulptur unsererseits. Sie wird zum Mahnmal, das vor der Vereinnahmung der Künste durch menschenfeindliche Ideologien und der geistigen Mittäter*innenschaft von Künstler*innen und Intellektuellen warnt.

Am 5. Januar um 16:00 findet die Einweihungsfeier statt. Expert*innen melden sich zu Wort, es werden Lieder gesungen, im Anschluss ist bei heißen Getränken Raum zu kritischen Gesprächen.

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